Pferd putzen – wie macht man das?

Pferde, vor allem, solche, die in der Box gehalten werden, sollten täglich geputzt werden. Das Putzen dient nicht nur der Entfernung von Schmutz und beugt somit Parasiten vor, sondern vertieft auch die Beziehung von Halter und Pferd und hat einen ähnlichen Stellenwert wie das gegenseitige Putzen der Pferde auf der Koppel (Sozialkontakt). Außerdem sorgt richtiges Putzen für vermehrte Durchblutung der Haut und hält damit Fell und Haut gesund.

Vor dem Putzen sollte das Pferd kurz äußerlich inspiziert werden, ob es irgendwelche Verletzungen oder Schwellungen hat. So kann man sicher stellen, dass man beim Striegeln nicht versehentlich mit dem harten Striegel über eine Verletzungen schrubbt.

Wie also putzt man ein Pferd richtig?

Idealerweise wird das Pferd zum Putzen außerhalb der Box angebunden, da sonst der herunterfallende Schmutz auf das Einstreu rieselt, das ja (Stroh) eventuell gefressen wird.

Feuchter Schmutz sollte erst abtrocknen, bevor man mit dem Putzen anfängt, sonst massiert man den Dreck nur tiefer ein.

Zunächst wird das Deckhaar, also die Körperbehaarung, gepflegt. Langhaar (Mähne, Schopf und Schweif) kommen erst später.

Das Fell wird mit einem Striegel in großen, kreisförmigen Bewegungen gegen den Strich aufgeraut. Dabei fallen lockere Haare aus und der gröbste Dreck wird gelockert und bereits teilweise entfernt.

Wichtig: den Striegel benutzt man nur auf gut gepolsterten Stellen, also NICHT an Beinen, Wirbelsäule, Widerrist, Hüfthöckern oder im Gesicht. Dort könnte der harte Striegel die Haut verletzen.

Besonders heftig verdreckte oder verklebte Stellen kann man dann mit der Wurzelbürste schrubben, mit der man auch die Beine prima sauber bekommt.

Danach wird das aufgeraute, strubbelige Fell mit der Kardätsche wieder geglättet, wobei der Schmutz in der Kardätsche hängen bleibt. Deshalb wird diese nach jedem Strich auf dem Pferd am Striegel abgestreift. Dabei bleibt (zumindest der Großteil) des Schmutzes am Striegel haften.

Den Striegel klopft man immer wieder auf dem Stallboden aus (bitte nicht an der Wand, der Pferdeschmutz haftet recht gut und der Stallbesitzer ist sicher nicht begeistert, wenn er alle paar Wochen seine Wände am Putzplatz abbürsten oder gar streichen muss).

Nach alter Tradition klopft man die Striegel immer nebeneinander ab. Wenn beim Ausklopfen nichts mehr auf dem Boden zurück bleibt ist das Pferd wirklich sauber. (Hierüber gibt auch die sogenannte Nagelprobe Aufschluss: man kratzt mit den Fingernägeln einmal gegen den Strich – wenn’s dann noch staubt ist nicht anständig geputzt worden).

Hat man das gesamte Fell sauber und glatt kommen die Beine dran. Da die Haut hier dünn ist, der Schmutz aber meist recht hartnäckig, benutzt man hier am besten eine Wurzelbürste.

Bei Pferden mit starkem Kötenbehang (=Fesselbehang) wie z.B. Tinker, Shire Horse oder Friesen hat sich eine Mähnenbürste oder eine ausgediente Draht-Haarbürste bewährt. Damit kann man den Behang gut durchkämmen und gleichzeitig nach eventuell gereizten Ausschau halten.

Jetzt kommt der Kopf dran – bei vielen Pferden eine beliebte Schmuseeinheit. Deshalb benutzt man, falls vorhanden, hier eine Kopfbürste. Das ist praktisch eine kleine Kardätsche, mit etwas weicheren Borsten. Damit wird der Kopf vorsichtig an den befellten Stellen abgebürstet. Bitte nicht um die Augen und an der Nase bürsten!

Augen und Nase werden am besten mit feuchten Küchentüchern oder Babyfeuchttüchern (ohne Parfum) abgewischt. Früher verwendete man hierfür einen Schwamm. Der Nachteil ist, dass sich auf Schwämmen gerne Bakterien ansiedeln. Wenn also ein Schwamm benutzt werden soll, muss er nach Benutzung (und zwar nach jeder!) ausgekocht werden.

Die Mähne kämmt man am besten mit einem breitzinkigen Kamm oder einer Mähnenbürste. Dabei ist es wichtig, dass man zwar mit dem Strich (also vom Mähnenkamm weg) bürstet, aber nicht gleich oben am Mähnenkamm beginnt, sondern erst die unteren 5cm entwirrt. Sind die glatt gebürstet bürstet man die unteren 10cm, dann die unteren 15 und so weiter bis man die gesamte Mähne durchkämmen kann. Fängt man gleich oben am Mähnenkamm an zu bürsten reißt man viel zuviel der Mähnenhaare heraus und die wachsen sehr, sehr langsam (ebenso wie Schweifhaare).

Beim Mähnenbürsten wichtig: nicht mit Gewalt vorgehen, lieber nochmal loslassen und vorsichtig mit der Hand Knoten auseinander ziehen.

Den Schweif sollte man gar nicht bürsten, sondern nur ausschütteln, Stroh und Halme raus sammeln und ein wenig mit der Hand entwirren. Für die komplette Schweifpflege verliest man die Haare einzeln. Das dauert allerdings sehr lang und wird meistens nur 1-2 mal im Jahr oder vor Auftritten oder Turnieren gemacht.

Die Unterseite der Schweifrübe und den Anus sollte man wiederum mit Feuchttüchern abwischen, gleiches gilt für Euter, Scheide und Schlauch. Bitte unbedingt für Euter, Scheide und Schlauch andere Tücher nehmen, denn die Bakterien, die an Schweifrübe und Anus sitzen können, können hier verheerende Infektionen hervorrufen.

Zu guter Letzt das Wichtigste: die Hufe, denn ohne Huf kein Pferd.
Die Hufe werden mit dem Hufkratzer ausgekratzt. Hierbei sollte man gründlich vorgehen und darauf achten, ob die Hufe trocken sind, Risse haben, eventuell vorhandene Eisen noch fest sitzen etc. Besitzt man einen Hufpick (Hufkratzer mit Bürstchen am Ende) kann man mit dem Bürstchen die Hufsohle nach dem Auskratzen noch frei fegen und sieht so noch genauer, ob hier alles zufriedenstellend aussieht.

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