“Kleinigkeiten” – wann soll der Tierarzt kommen?

Oft sind Pferdehalter verunsichert – wann genau kann ich noch selbst behandeln und wann wäre es besser, den Tierarzt zu rufen?

Wichtig ist vor allem, dass man als Laie auf keinen Fall an großen Wunden herumdoktert. Dieser Versuch, Tierarztkosten zu sparen (scheinbar ist es ein ungeschriebenes Gesetz, dass Wunden am Pferd immer am Wochenende oder am Feiertag auftauchen) kann ganz schnell zu Lasten des Pferdes gehen und in ernsthaften gesundheitlichen Schäden enden, die dann natürlich ein Vielfaches des ursprünglich eingesparten kosten werden.

Ist auch nur einer der folgenden Anhaltspunkte erfüllt sollte auf jeden Fall schnellstmöglich ein Tierarzt zu Rate gezogen werden:

  • die Wunde ist größer / länger als ca. 3 cm (bei kleinen Pferden und Ponies bis 2 cm)
  • Die Wunde klafft / die Ränder rollen sich ein oder aus / es hängen Hautstücke weg
  • Das Pferd lahmt
  • Die Wunde ist stark verschmutzt
  • Die Wunde wurde erst spät entdeckt und hat schon angetrocknete Wundränder oder sondert sogar schon Eiter ab
  • Es sind Gefäße, Knochen oder Sehnen zu sehen
  • Starke Blutung / Blutung lässt sich nicht stoppen (!!! Akute Lebensgefahr!!!)
  • Die Umgebung der Verletzung ist stark geschwollen, heiß oder sonst irgendwie verändert (matschig, aufgedunsen, verfärbt…)
  • Nach Selbst-Behandlung einer kleinen Wunde tritt plötzlich Fieber auf oder das Pferd ist apathisch, frisst schlecht, wirkt müde oder lahmt
  • Eingetretene Nägel oder Glasscherben müssen auf jeden Fall professionell gereinigt werden, da die Keime sehr tief im Gewebe sitzen.
  • Starke Schmerzen (Anzeichen: Umhergehen, Zittern, Schwitzen, Schnauben, Schnellere / gepresste / langsamere Atmung, Schlagen mit dem Schweif, Stampfen oder Klopfen mit den Hufen, aber auch apatisches Herumstehen, Kopf “hängen lassen”)
  • Bei Insektenstichen im Gesicht, vor allem im Bereich der Augen, Nüstern, Maul und am Hals
  • Bei stumpfen Verletzungen, also ohne offene Verletzung, wenn das betroffene Areal geschwollen und/oder heiß ist und die Schwellung bzw. Wärme nach 1 Tag nicht weg ist oder deutlich besser wurde
  • Apathie, verweigerung von Futter oder Wasser
  • Fieber (siehe Artikel Normalwerte – Temperatur)
  • Stark beschleunigter oder verlangsamter Puls (Siehe Artikel Normalwerte – Puls)
  • Veränderte Atmung (siehe Artikel Normalwerte – Atmung)

Im Falle von Verletzungen, Insektenstichen, Lahmheit, Apathie (Pferd wirkt lustlos), Futter Verweigerung und anderen Verhaltensauffälligkeiten gilt generell: Lieber einmal „zu oft“ den Tierarzt rufen und gleich abklären lassen.

Insgesamt ist die Anfahrt des Tierarztes, um bei dem Pferd einmal die Erstversorgung zu machen deutlich billiger als wenn er nach zu langem Rauszögern x mal kommen muss, um Medikamente zu spritzen, die eigentlich gar nicht nötig gewesen wären. Und ein großes Plus gibt’s obendrein: der Besitzer muss sich nie fragen, ob er zu lange gewartet hat, wenn eine Verletzung doch mal nicht glimpflich ausgehen sollte.

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