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Kaufberatung Lederreitstiefel Teil 3: Lederreitstiefel einlaufen

Nachdem wir nun erfolgreich ein paar Lederreitstiefel anprobiert und gekauft haben geht’s erst richtig los, denn Lederreitstiefel haben den Nachteil, dass man sie nicht einfach so kauft und dann damit los reitet. Nein, die guten Stücke wollen eingetragen werden und dieser Vorgang kann ganz schön an die Substanz gehen. Doch mit einigen Tricks kann man Blasen, blutende Kniekehlen und Frust ganz einfach verhindern.

Zunächst einmal die Hausmittel: Echte Männer pinkeln in ihre Reitstiefel und tragen sie dann so lang, bis sie trocken sind. Ähmmm… Was soll man dazu sagen? Generell: keine gute Idee. Nicht nur dass die Flüssigkeit, zieht sie erst mal ins Leder ein und trocknet dann, das Leder unnötig verhärtet, die Harnsäure im Urin macht der Haut am empfindlichen Reiterbein auch sehr zu schaffen. Mag sein, dass dieser Tipp vor vielen Jahren bei Cowboys mit dicker Hornhautschicht am nicht sehr zarten, Prärie-erprobten Fuß gut funktioniert hat, modernen Reitern ist er nicht zu empfehlen. Zum Stiefel sei zu sagen, dass die traditionellen Cowboystiefel aus vegetabil gegerbtem Leder hergestellt wurden und dieses reagiert auf die Behandlung mit Urin ganz anders als das Leder eines modernen Reitstiefels.

Gleiches gilt für das Anfeuchten mit Wasser. Leder wird generell nach Kontakt mit Wasser hart. Ich versuche das mal möglichst einfach zu klären: Leder hat von Natur aus einen gewissen Wassergehalt. Weicht man es nun ein vermischt sich das Wasser, das sowieso im Leder vorhanden ist, mit dem, das von außen kam. Trocknet das Ganze wieder (vor allem problematisch ist zu schnelles Trocknen), wird das Leder zu trocken und damit hart, einfach deshalb, weil ein Teil des „Lederwassers“ (die Fachbezeichnung ist Kristallwasser) mit abtrocknet, der eigentlich im Leder hätte bleiben sollen.

Besser ist es, das Leder zunächst mit Lederfett (kein Sattelfett, das gehört auf den Sattel und nicht auf die Stiefel, weil es viel zu sehr schmiert) geschmeidig zu machen, indem man ihn sowohl innen als auch außen kräftig einsalbt. Besondere Aufmerksamkeit sollte man hierbei dem Fesselbereich (also dem Übergang zwischen Fuß und Schaft) sowie dem Bereich der Kniekehlen legen, da sich der Stiefel an diesen Stellen am meisten verformen muss. Während man den Stiefel mit Lederfett einreibt kann man das Leder zusätzlich weich machen, indem man es mit den Händen ein wenig durchknetet.

Um die Kniekehlen zu schonen sollte man zunächst einen Fersenkeil in die Reitstiefel legen. So kommt nicht gleich der ganze Druck des momentan noch zu langen Schaftes auf die Kniekehlen. Am besten trägt man die Reitstiefel dann täglich einige Stunden zu Hause, denn da kann man sie einfach wieder ausziehen, wenn’s zu viel wird. Vor allem Sitzende Tätigkeiten sind gut, weil sich der Kniekehlen-Teil des Schafts dabei sauber falten kann.

Reiter mit sehr empfindlicher Haut sollten die Kniekehlen zusätzlich mit einem großen Pflaster oder eingeklemmter Gaze schützen. Super sind auch die Gelpads, die man eigentlich in Partyschuhe klebt, um die Nacht durchtanzen zu können (gibt’s im Schuhgeschäft).

Nun heißt es warten, weiter schmieren, durchkneten und weiter tragen. Man kann den Schaft auch, wenn die ersten Falten im Fesselbereich entstanden sind, mit den Händen packen und ein wenig nach unten schieben, um das Setzen etwas zu beschleunigen. Für besonders hartnäckige Fälle gibt es im Handel Lederweichmacher. Allerdings sollte man es erst mal ohne diese Hilfsmittel versuchen, denn diese machen das Leder dauerhaft weicher. Unter Umständen wird’s dann zu viel und der Stiefel passt nachher nicht mehr weil er zu weich wurde.

Zu guter Letzt sei noch zu sagen, dass all das Lederfett, mit dem man die Stiefel in der Einlauf-Phase vollgesalbt hat, vor dem ersten Tragen zum Reiten wieder abgewischt werden sollte, sonst wird’s rutschig sowohl im Stiefel als auch am Pferd. Klingt überflüssig, war aber alles schon mal da…

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