Weidedecken – Welche Pferdedecke ist die Richtige?

Will oder muss man sein Pferd im Winter beim Koppelgang eindecken kommt früher oder später auch die Frage auf: Womit? Klar, eine Weidedecke, auch Koppeldecke, Außendecke oder Paddockdecke genannt, sollte es sein, denn schließlich ist sie genau dafür gedacht: Das Pferd beim winterlichen Koppelgang warm zu halten.Nur welche Decke oder besser gesagt welche Deckendicke ist die Richtige für die Bedürfnisse meines Pferdes? Mit dieser Frage befasst sich der folgende Artikel.

Die Hersteller informieren uns ja freundlicherweise mit der vielsagenden Angabe den Deckendicke in g/m², also Gramm je Quadratmeter. Doch was bedeuten diese Angaben für die Praxis?

Ungefütterte Pferdedecken
Diese Decken haben, anders als der Name vermuten lässt, sehr wohl einen Innenstoff, umgangssprachlich auch als Futter bezeichnet. Insofern ist der Name etwas verwirrend. Gemeint ist, dass diese Decken ohne eine wärmende Isolierschicht zwischen Innen- und Außenstoff daher kommen. Daher fehlt ihnen auch die Isolationsbezeichnung g/m², denn diese bezeichnet das Gewicht der Füllwatte, die sich zwischen Innen- und Außenstoff befindet.

Ungefütterte Pferdedecken sind vor allem für die Übergangsjahreszeit geeignet, da sie nicht oder nur wenig wärmen. Sie schützen das Pferd vor allem vor Regen und Wind. Damit sind sie bei regnerischen Spätsommer- oder Herbsttagen oder auf besonders zugigen Koppeln, z.B. an einem Hügel, die richtige Wahl. Für den Winter eignen sie sich, wenn überhaupt, höchstens bei Robustrassen mit Naturwinterfell, also ungeschoren, um diese vor zu viel Feuchtigkeit zu schützen.

Gefütterte Pferdedecken
Das sind sie nun, die eigentlichen Winterdecken. Zwischen Innen- und Außenstoff befindet sich hier noch eine Schicht isolierenden Materials, meist Watte oder Hightechfasern wie Kohlefaser oder Goretex (letzteres raschelt stark – bitte vorsichtig sein, wenn das Pferd auf solche Geräusche empfindlich reagiert).

Die Dicke der Wattierung ist gleichzeitig auch das Maß für die Fähigkeit, Wärme zu isolieren. Dünne gefütterte Decken, häufig mit der Bezeichnung Light versehen, kommen mit etwa 100g/m² daher. Diese Decken sind nur wenig wärmer als ungefütterte Decken und eignen sich daher vor allem für die Übergangsjahreszeiten oder für „Naturburschen“ als Schutz vor Schneefall oder Eisregen.

Haflinger auf Winterkoppel

Hier geht’s auch oben ohne: Haflinger mit Winterfell auf der Koppel

Decken mit ca. 200g/m² sind noch relativ dünn, wärmen aber schon ausreichend, dass ein geschorenes oder teilweise geschorenes Pferd damit bis zu Außentemperaturen von etwa 0°C gut auskommt. Für Pferde im Winterfell genügt eine solche Decke sogar den ganzen Winter über (von gelegentlichen Temperaturstürzen in den zweistelligen Minusbereich mal abgesehen).

Die nächste Abstufung ist bei etwa 400g/m². Diese Pferdedecken sind schon sehr stark wärmeisolierend und eignen sich auch bei Pferden, die im Winter Leistung bringen müssen und die deshalb geschoren wurden, bis etwa -10°C. Für Pferde mit Naturfell sind diese Decken meist schon zu warm.

Weidedecken mit 600g/m² oder gar 800g/m² sind eigentlich nur etwas für wirklich sehr temperaturempfindliche Pferde, Pferde nach überstandener Krankheit, oder bei Temperaturen „jenseits von Gut und Böse“ (wobei man da wiederum darüber diskutieren kann, ob ein Pferd bei unter -15°C wirklich unbedingt raus muss). Für die meisten Pferde sind diese Decken zu warm, was dazu führt, dass die Pferde unter der Decke schwitzen. Dadurch entsteht Verdunstungskälte und das Tier kühlt trotz Decke aus.

Ein einfacher Test, ob die Deckendicke sowohl zum Pferd als auch zur Jahreszeit passt: Einfach das Pferd auf der Koppel besuchen und die Hand tief unter die Decke stecken. Hier sollte es warm aber nicht heiß und auf gar keinen Fall feucht sein. Am besten testet man das, wenn das Pferd gerade ein bisschen mit seinen Kameraden gespielt hat, denn auch dann darf es unter der Decke nicht schwitzen.

Wichtig: Für Pferdedecken gilt: Im Zweifelsfalle lieber die dünnere als die dickere Decke wählen. Wenn das Pferd ein wenig friert wird es sich bewegen und langfristig ein wenig mehr Fell bekommen. Schwitzt das Pferd unter der Decke führt die unglückliche Kombination aus einer zu dicken Decke, einem verschwitzten Pferd und kaltem Wind nur allzu schnell zu dem unerwünschten Ergebnis einer überraschenden Tierarztrechnung.

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