Unterschätzt, übersehen, gefürchtet: die Mauke

Jedem Reiter und Pferdefreund jagt das Wort Mauke kalte Schauer über den Rücken, denn sie wird oft erst spät entdeckt und ist, wie die meisten Krankheiten, umso schwerer zu behandeln, je länger sie sich ausbreiten kann. Wenn man die frühen Symptome der Mauke jedoch erkennt und schnell reagiert ist sie eigentlich gut behandelbar.

Die Symptome der Mauke

Wohl jeder Pferdefreund kennt die grausigen Mauke-Bilder von verhornten, nässenden, verkrusteten Pferdebeinen, die den Pferden schlimme Schmerzen bereiten und eine Heilung praktisch ausschließen. Was man da zu sehen bekommt ist allerdings erst das letzte und chronische Stadium der Mauke. Erste Anzeichen sind kleine, unauffällige Rötungen an der Haut der Fessel. Meist beginnt die Mauke in der Fesselbeuge ihr schleichendes Werk, denn hier sammeln sich Feuchtigkeit und Schmutz am ehesten an. Als nächstes bilden sich aus den Rötungen kleine Knötchen, Blasen und Pusteln. Optisch am ehesten vergleichbar mit den Krusten des Lippenherpes nässen die Knötchen und verkleben mit der abgegebenen Flüssigkeit das umgebende Fell. Spätestens jetzt muss die Mauke dringend behandelt werden, ehe sie in das nächste Stadium übergeht. Bleibt Mauke unbehandelt verhornt die entzündete Haut mit der Zeit. Es bilden sich Risse und Verdickungen. Die schuppige Haut trocknet oberflächlich ab und reisst, während sich die verantwortlichen Bakterien, welche für die Entzündung verantwortlich sind, in der Tiefe weiter vermehren. Kommt auch noch eine Infektion mit Fusobacterium Necrofori hinzu (dieser Keim ist normalerweise für die Strahlfäule verantwortlich und lebt anaerob, also ohne oder mit nur wenig Sauerstoff) entsteht die schwerste Form der Mauke, die sogenannte Brandmauke. So weit darf es auf gar keinen Fall kommen, aber das muss wohl nicht erst erwähnt werden.

 

Ursachen der Mauke

Die bekanntesten Ursachen für Mauke ist ein schlechtes hygienisches Umfeld. Feuchte Matratzen, nasse Koppeln, Lachen aus Kot und Urin, überall hier vermehren sich Bakterien, Viren oder Pilze schnell und effektiv und können die empfindliche Fesselhaut befallen. Deshalb sollte man, egal ob das Pferd langen Kötenbehang hat oder nur wenig behaarte Fesseln, selbige unbedingt sauber und trocken halten. Wichtig ist außerdem, die empfindliche Fesselhaut nicht zu verletzen. Also nicht mit der Drahtbüste an den Huf oder an den Hufrand gehen, sondern bei starker Verschmutzung lieber mit Wasser, Spezial-Shampoo und Wurzelbürste vorrücken und danach gut trocknen. Da die Mauke wie bereits erwähnt sowohl Bakterien als auch Viren oder Pilze als Ursache haben kann ist vor allem das „Ungemütlichmachen“ für derlei kleine Schädlinge sinnvoll, dass diese sich gar nicht erst ansiedeln können.

Wenn die Koppel so aussieht ist die Mauke nicht fern

Wenn die Koppel so aussieht ist die Mauke nicht fern

 

Behandlung der Mauke

So vielfältig die Ausprägungen und Stadien der Mauke, so unterschiedlich sind auch die Therapieansätze. Da diese Krankheit äußerst heimtückisch ist sollte man sich auch im Frühstadium nicht scheuen, den Tierarzt zu Rate zu ziehen. Das A und O der Maukebehandlung ist Sauberkeit und Hygiene. Die Mauke-Stellen müssen, auch wenn sie nicht auf Bakterienbefall zurückzuführen sind, regelmäßig desinfiziert werden. Ein gutes Desinfektionsmittel wirkt sowohl gegen Bakterien als auch gegen Viren und Pilze und ist das wichtigste Handwerkszeug im Kampf gegen die Mauke.

 

Wichtig:

Im Unterschied zu normalen Wunden, die unter ihrer schorfigen Kruste heilen, ist bei der Mauke das Gegenteil der Fall: Die Mauke-Krusten bedecken den Bakterienherd und schaffen für die Keime ein noch angenehmeres und vermehrungsfreundliches Klima. Daher müssen die Mauke-Krusten regelmäßig, am besten täglich, entfernt werden. Die dadurch entstehenden offenen Wunden sollten so oft wie möglich desinfiziert werden. Hierfür hat sich beispielsweise die in der Apotheke erhältliche Dibromol-Lösung gut bewährt.

Tipp: kauft unbedingt die farblose Variante. Bei der gefärbten Version sieht man zwar besser, welche Stellen schon behandelt wurden, aber es ist eine unfassbare Sauerei mit dem braunen Zeug. 😉 Da man sich bei der Verwendung von Dibromol zur Desinfektion sowieso das Motto „Viel hilft viel“ zu Herzen nehmen sollte ist die Frage, ob die betreffende Stelle bereits behandelt wurde oder nicht hinfällig. Einfach großflächig und reichlich drauf mit dem Zeug.

Tipp: da auch der Pinsel ein Infektionsrisiko darstellt, wenn man die Desinfektionslösung mit dem Pinsel aufträgt ist es ideal, die Lösung in eine Sprühflasche zu füllen. Man kann damit zwar nicht so punktgenau behandeln, kommt aber auch nicht mit der Flasche oder einem Pinsel mit den Keimen in Berührung und schmiert sie bei der nächsten Behandlung dann wieder in die Wunde. Falls Ihr einen Pinsel benutzt, dann wascht diesen bitte im Anschluß ans Auftragen nochmal ausgiebig mit Dibromol aus, drückt dann die überflüssige Flüssigkeit aus dem Pinsel und lasst ihn an einem gut belüfteten Ort gut austrocknen. Am besten verwendet Ihr mehrere Pinsel im Wechsel, dass die Pinsel immer gut trocken werden können. Oder eben satt sprühen, damit ist das Pinsel-Problem erledigt.

Wichtig: Achtet darauf, dass beim Auftrag aus der Sprühflasche die Flüssigkeit auch wirklich bis auf die Haut dringt, also nicht nur oberflächlich aufs Fell sprühen, sondern alles schön durchweichen. Nur so dringt das Desinfektionsmittel wirklich bis zu den Maukeherden vor.

Nach der Desinfektion könnt Ihr die betroffenen Stellen mit einer Zinksalbe behandeln. Auch hier hab ich einen Tipp für Euch: Mirfulan-Salbe aus der Apotheke enthält sowohl Zink als auch Lebertran und versorgt die Haut mit allen nötigen Stoffen, um die Heilung zu beschleunigen. Die recht feste Salbe deckt die Wunden nach der Desinfektion ab und hält neue Keime fern. Zink sorgt dafür, dass die Wunden trocken bleiben, der Lebertran (achtung: stinkt heftig nach Fisch, stört aber die Pferde nicht, jedenfalls nicht, dass ich irgendwas mitbekommen hätte, dass sich eines beschwert hat) lässt die Haut schneller heilen und macht sie geschmeidig.

Großartigerweise gibt es die Mirfulan-Salbe auch als Spray, so dass man auch hier sicher gehen kann, die Salbe nicht durch den Kontakt mit Mauke-Stellen mit Bakterien zu kontaminieren. Der Spray ist allerdings druckluftbetrieben und Ihr solltet testen, ob Euer Pferd das Geräusch gut aufnimmt oder eventuell in Panik gerät.

Wichtig: das Aufsprühen von Substanzen mit einer Sprühflasche, egal ob mit Druckluft oder mit Pumpmechanismus immer erst mit ausreichendem Abstand zum Pferd ausprobieren. Wenn Ihr die Mauke-Stellen behandelt seid Ihr nämlich viel zu nahe an den Beinen um im Nachhinein festzustellen, dass Euer Patient nervös oder gar panisch reagiert. Die beste Mauke-Behandlung macht nur halb so viel Freude, wenn man einen Hufabdruck im Gesicht davon trägt. Also bitte, bitte: immer erst ausprobieren, dann los legen.

Tipp: sowohl bei Mirfulan, Dibromol als auch bei anderen Produkten und Medikamenten gilt: Wer sparen will vergleicht die Preise. Die Online-Apotheken haben oft deutlich günstigere Angebote als ihre Kollegen vor Ort. Außerdem müssen lokale Apotheken Mittel wie Dibromol häufig bestellen. Einen super Preisvergleich findet Ihr auf www.Tierapotheken.info. Schaut doch mal vorbei!

Übrigens wirkt sich auch zu viel Hygiene negativ auf die Wahrscheinlichkeit aus, dass ein Pferd Mauke bekommt. Ständiges Waschen, Schrubben und Shampoonieren stört das empfindliche Gleichgewicht der Haut und öffnet damit die Pforten für ungebetene Gäste wie Viren, Bakterien und Pilze, vor allem, wenn man danach das Abtrocknen vernachlässigt. Wer seinem Pferd häufig die Beine waschen muss oder will, darf auf gar keinen Fall vergessen, die Fesselbeugen zu trocknen. Toll sind hier Microfaser-Handtücher, die ein vielfaches ihres Gewichts an Feuchtigkeit aufnehmen können. Wenn Euer Pferd ein besonders gelassener Vertreter seiner Art ist könnt Ihr es ruhig auch mit einem Föhn probieren. Aber Achtung: immer in Bewegung bleiben, nicht zu heiß und nicht zu nahe dran, sonst könnt Ihr die Haut verbrennen. Am besten immer eine Hand in der Nähe halten, dann merkt Ihr schnell, wenn’s zu heiß wird. Das Fuß-Föhnen beim Pferd ist allerdings wohl schon ein wenig übertrieben. Abrubbeln mit einem sauberen, frisch gewaschenen Handtuch und anschließendes Trockenführen sollte genügen. 😉

 

Risikopatienten für Mauke

Gibt es Pferde oder Pferderassen, die besonders häufig mit Mauke zu kämpfen haben? Leider muss man diese Frage mit einem klaren „ja“ beantworten. Vor allem sehr behaarte Rassen mit viel Kötenbehang (Stichwort „Puschelfuß“) sind deutlich häufiger von Mauke oder Milben betroffen als ihre Artgenossen mit kurzem Fußfell. Warum? Ganz einfach: die schönen, langen Haare, die meist vom Vorderfußwurzelgelenk bzw. Sprunggelenk bis weit über die Hufe reichen sind absolute Schmutz- und Feuchtigkeitsfänger. Wer schon mal einen Tinker mit hellen Beinen auf einer Winterkoppel gesehen hat weiß, was ich meine. Was bei dunklen Beinen oder Rassen mit generell dunklem Fell durch die Farbe verborgen bleibt tritt bei Schimmeln, Schecken und allen, die eben helles Fell an den Beinen tragen gnadenlos zu Tage: Die Beine sind oft gelb oder gar braun verfärbt von Urin- und Kotresten, die in den Haaren kleben. Kein Wunder fühlen sich in diesem Fell Bakterien, Viren und Pilze wohl und können sich ungehindert vermehren. Vor allem alte Rassen wie Friesen, Kaltblutrassen (z.B. Belgisches Kaltblut, oder manche Ponies haben langen, dichten Fesselbehang und sind für Mauke prädestiniert. Vor allem bei diesen Rassen sollte man die Fesselbeugen regelmäßig, also mindestens einmal die Woche, nach Rötungen absuchen. Dabei unbedingt die Haare richtig auseinander ziehen. Bei dunklem Fell und dunkler Haut mit einer Taschenlampe nachleuchten, denn die ersten Anzeichen sind hier schwer zu erkennen. Glücklicherweise – oder leider, je nachdem – sind Pferde mit dunklem Kötenbehang aufgrund der darunter liegenden pigmentierten und damit widerstandsfähigeren Haut etwas weniger Mauke-gefährdet als solche mit hellem Behang, in dem die Mauke leichter zu identifizieren ist.

 

Alternative Behandlungsmöglichkeiten bei Mauke

Im Anfangsstadium reicht meist die Behandlung mit einer Wundsalbe. Diese kann natürlich auch homöopathisch sein, beispielsweise eine Arnika- oder Hamamelis-Salbe. Homöopatisch hat es sich bewährt, mit Mitteln zur Unterstützung der „Entsorgungs-Organe“ wie Leber und Nieren zu arbeiten. Wichtig bei der Auswahl homöopathischer Mittel sind vor allem die Begleitsymptome. Ist die Haut warm, kühl, feucht…? Ist das Pferd ruhig, entspannt, aufgedreht, nervös…? Und so weiter. Eine gute homöopathische Befundung verlangt nach viel Fingerspitzengefühl und einem wirklich guten Tierarzt oder Tierheilpraktiker mit Erfahrung im Bereich der Homöopathie. Dennoch kann man auch als interessierter Laie einige Verbesserungen erreichen. Für Mauke eignen sich, je nach Begleitsymptom, folgende Mittel: Cantharis, Berberis, Graphites, Sulfur und Thuja. Bevor Ihr Euch für eines oder mehrere der Mittel entscheidet, lest bitte unbedingt die Arzneimittel-Beschreibungen durch, um genau das Richtige Mittel für Euer Pferd herauszufinden. Glücklicherweise kann man, wenn man das falsche Mittel wählt, nicht viel falsch machen, nur wirkt es dann eben auch nicht.

Weitere Infos zum Thema Mauke findet Ihr hier im Blog folgenden Artikeln:

Mauke Teil 1 – Ursachen und Ausreden

Mauke Teil 2 – Behandlung und Therapie

Pferde mit starkem Fesselbehang richtig pflegen

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