Kugelpferdchen - Dein Pferd als kugelige Miniatur als Geschenk oder einfach zum selber Freuen

„Aber es ist doch ein Gewichtsträger….“

Lange habe ich überlegt, ob ich das heiße Eisen “Mythos Gewichtsträger” wirklich anfassen soll. Aber ganz ehrlich – wenn ich das typische Endmaß-Pony sehe, wie es, beladen mit 130 kilo Reiterin plus Westernsattel durch die Landschaft schleicht, dann muss das einfach mal raus. Deshalb vorweg folgendes: wer das hier liest sollte, falls er oder sie starkes Übergewicht hat und trotzdem aufs Pferd steigt, kritikfähig und bereit zum Nachdenken sein. Aber das sollte wohl jeder Reiter, denn ohne Kritik und Selbstreflektion landet man früher oder später entweder beim Tierarzt oder auf dem Boden, je nachdem, ob das Pferd “gewinnt” oder eben nicht. Los gehts:

Das Internet… unendliche Weiten, die ein denkender Mensch besser nicht so oft betreten sollte. Warum nicht? Ganz einfach: man wird mit Fotos konfrontiert, die man als Pferde-Freund nie wieder ganz aus dem Kopf bekommt. Ein Beispiel: Da sitzt eine mehr als vollschlanke Dame auf einem stämmigen aber kleinen Pony. Bildunterschrift: „Ich und mein Gewichtsträger“

Und schon möchte ich erklären. Dann anmerken. Dann flehen. Bitten. Schreien. Weinen. Toben.

Doch das alles würde nichts bringen. Ich würde im besten Falle in ein verständnisloses Gesicht blicken, im schlechtesten Falle würde eine Horde wütender, wahrscheinlich ebenfalls übergewichtiger „Reiterinnen“ ihrer von mir völlig zu Unrecht angefeindeten Freundin zu Hilfe eilen. Was ich mir denn wohl erlaube, immerhin sei das Pferd ein Gewichtsträger. Und überhaupt kommt es darauf an, ob jemand reiten kann, dann ist das Reitergewicht nicht mehr wichtig. Nur dicke Anfänger machen den Pferden Rückenprobleme, jawoll! Die sind es nämlich, die den armen Pferden beim Traben in den Rücken plumpsen. Der Freizeitreiterin mit Erfahrung passiert sowas natürlich nicht mehr und damit ist es kein Problem für das Pferd. Was solle sie denn sonst auch machen, sie ist nun mal so, deshalb hat sie ja extra den extrem stabilen Gewichtsträger gekauft. Und überhaupt, wenn das stimmen würde, dann könnte ein Mann mit stattlicher Körpergröße ja auch niemals reiten.

Die Argumente sind immer die gleichen, die Einsicht ist meist nicht oder nur in geringem Maße vorhanden. Leider.

Einerseits habe ich Verständnis. Tatsächlich. Die Dame (oder auch der Herr, denn das Problem ist nicht geschlechtsspezifisch, oh nein!) liebt ihr Pferd, liebt ihr Hobby. Natürlich will sie ihrem Vierbeiner nicht schaden. Nur ist es leider so, dass der Schaden durch Schönreden und Wegargumentieren nicht verhindert wird.

Dabei ist die Frage, wie viel Gewicht ein Pferd tragen kann einfache Physik, gepaart mit heutzutage leider viel zu häufig ignoriertem Wissen was Pferdeanatomie angeht. Ja, wenn ein Pferd korrekt geritten wird schadet ein höheres Reitergewicht mit Sicherheit weniger als wenn ein Pferd mit inaktiver Hinterhand, untrainierter Bauchmuskulatur, schlaffen Bändern und durchhängendem Rücken bewegt wird. Korrekt reiten heißt mit ordentlich aktivierter Hinterhand, die einen Großteil des Gewichts aufnimmt und gleichzeitig das Längsband der Wirbelsäule strafft. Damit wird ein Teil (!) des Gewichts vom Bandapparat mitgetragen und lastet nicht ohne Dämpfung auf den Facettengelenken der Wirbelsäule, die das auch nur eine gewisse Zeit mitmachen. Nur „weniger Schaden“ ist nicht „kein Schaden“. Nicht zu vergessen, dass der Freizeitreiter meist nicht mal die leiseste Ahnung hat, was eine aktivierte Hinterhand überhaupt ist.

Zum Reitergewicht hinzu kommt außerdem noch der Sattel mit allem, was so dran hängt – Steigbügel, Pad, Riemen etc. Da kommen einige Kilo zusammen, die das Pferd zusätzlich zum Reiter tragen muss, denn ein guter Westernsattel bringt einiges auf die Waage. Wiegt doch mal nach, was Ihr an Sattelzeug zu Eurem eigenen Gewicht (in Reitkleidung) addieren müsst – Ihr werdet überrascht sein. Alles zusammen sollte einfach ein gewisses Verhältnis zum Pferdegewicht nicht überschreiten. Als Faustregel gilt, dass das Gesamtgewicht, also Reiter plus Sattelzeug plus eventuelles Gepäck 15% des Pferdegewichts nicht überschreiten soll, bei quadratischen Pferden, also Rassen mit kurzem Rücken, auch bis zu 20%. Das heißt, ein Pferd mit normalem Rücken und 650 Kilo kann maximal (und das ist wirklich ein Maximalwert, keine Richtlinie mehr) 97,5 Kilogramm inkl. Sattelzeug tragen, ein Pferd mit kurzem Rücken bis zu 130 kg. MIT Sattelzeug. Unsere Beispiel-Reiterin vom Anfang müsste also komplett nackt ohne Sattel reiten, und selbst dann wäre sie schon am absoluten Limit angekommen.

Wichtig ist dabei vor allem, dass der viel gerühmte Gewichtsträger eben nicht das Pferd ist, das selbst „dick“ ist. Kaltblüter sind nicht zwangsläufig die besseren Gewichtsträger. Ausschlaggebend ist die Anatomie des Rückens. Je länger der Rücken im Verhältnis zur Höhe, desto weniger Gewicht hält dieses Pferd aus.

Verdeutlichen soll dies folgende Grafik:

Pferd Reiten Gewichtsträger

Deutlich zu sehen: bei gleicher Belastung gibt der lange Pferderücken deutlich mehr nach als der kurze.

 

Ganz klar ist hier zu sehen, wie viel weiter der „Rücken“ des rechteckigen Pferdes (rechts im Bild) bei gleicher Belastung durchhängt. Das heißt nichts anderes als dass hier die Belastung deutlich höher ist als bei einem Pferd mit quadratischer Anatomie.

Im Sinne der Gesundheit Eurer Pferde: steigt mal in Reitklamotten und Sattelzeug im Arm auf die Waage. Dann schaut Eurer Pferd von der Seite an und schätzt sein anatomisches Format. Und so bitter das für den ein oder anderen sein mag: falls dabei ein hohes Reitergewicht und ein langer Rücken raus kommen, dann lasst die Reiterei erst mal sein und arbeitet Euer Pferd erst mal am Boden, während Ihr selbst die entscheidenden Kilos abspeckt. Hart, ich weiß – musste aber mal gesagt werden. Euer Pferd und Euer Tierarzt-Budget werden es Euch danken.

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