Reithosen mit Besatz – nur welcher passt zu mir?

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Uroma und Uropa hatten es noch leicht: Besatz an Reithosen, so denn überhaupt vorhanden, war immer aus Leder. Es gab Knie- und Vollbesatz und das war’s dann auch schon. Für den Alltag hatte man braune, graue oder schwarze Hosen, für Turnier und Parade war die Hose weiß. Ende der Auswahl.

Heute haben wir die Qual der Wahl, nicht nur was die Farben sondern eben auch die Materialien und Schnitte angeht. Farben sind natürlich Geschmackssache, wer mit der Mode geht kleidet sich (und sein Pferd) womöglich mehrmals jährlich neu ein, diejenigen, die ihre Lieblingsfarbe bevorzugen, egal was gerade „in“ ist, hüllen sich in pink, hellblau, grün, schwarz oder was das Herz begehrt. Gleiches gilt – in etwas eingeschränktem Maße, denn für manche Disziplinen eignen sich bestimmte Hosen einfach besser als andere – für den Schnitt der Hose. Reithosen sind nämlich nicht nur „Hosen, die durch Schnitt und Material für das Reiten auf Pferden geeignet sind“, wie Wikipedia seinen Artikel beginnt, nein, die Auswahl der Reithose kann sehr wohl für viel Frust oder eben auch für viel Freunde sorgen und sollte daher wohlüberlegt erfolgen.

Anfänger sind an dieser Stelle schon fertig, haben eine Hose in passender Farbe und gut sitzendem Schnitt ausgesucht und wähnen sich in Sicherheit. Doch dann kommt sie auf, die Frage „…und was ist mit dem Besatz?“

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Besatz – was soll DAS denn sein?

Für alle, die mit dem Begriff nichts anfangen, sei kurz erklärt: der Besatz ist das Teil der Reithose, das die Reithose zur Reithose macht, sowohl optisch als auch funktionell. Und auch das „Tragegefühl“ einer Reithose wird erst durch den Besatz perfekt. Wer sich schon mal mit einem Mikrofaser-Besatz auf eine nasse Bank gesetzt hat und danach noch Einkaufen musste weiß, was ich meine 😉

Beschäftigen wir uns zunächst mit der Form des Besatzes:

Kniebesatz

Wie bereits oben erwähnt gab es früher Knie- und Vollbesatz. Kniebesatz ist heute selten georden, behauptet aber (leider) weiter seinen Platz unter Liebhabern dieser Besatzversion. Außerdem sieht man ihn häufiger an Reitkleidung für kleinere Kinder, wohl aufgrund des meist günstigeren Preises. Der Kniebesatz liegt, wie der Name schon andeutet, nur im Kniebereich zu finden und sollte die Haftung am Knie verbessern. Theoretisch. In der Praxis sorgt der Kniebesatz eher dafür, dass der Reiter genau das macht, was er nicht soll: er klemmt sich mit dem praktischerweise rutschhemmend besetzten Knie am Sattel fest. Das Pferd findet das meist weniger toll und läuft „klemmig“.

Springreiten
Beim Springreiten kann der Kniebesatz von Vorteil sein, weil man leichter „aus dem Sattel“ kommt,
bei der Landung aber trotzdem guten Halt findet.

Häufig werden Kinder mit Kniebesatz bekleidet, einfach weil die Hosen günstiger sind. Kinder sind aber nunmal Naturgemäß erst mal Reitanfänger und gerade diese brauchen einen festen Sitz im Sattel. Dieser klappt besser mit Vollbesatz, daher rate ich persönlich immer zum Vollbesatz. Man sitzt einfach besser. (Disclaimer: Natürlich gibt es immer Ausnahmen – im Zweifel: ausprobieren!)

Vollbesatz

Vollbesatz ist der Besatz der klassischen „Reithose“, egal welcher Schnitt ansonsten das Beinkleid ziert, der Vollbesatz reicht vom Allerwertesten bis mindestens zur Mitte der Wade (bei Stiefelhosen) oder sogar bis zum unteren Hosenabschluss (bei Hosen, die man ohne Stiefel trägt wie z.b. Jodhpur-Hosen).

Vorteil: man sitzt gut im Sattel, hat den perfekten Kontakt zum Pferd und kann mit dem „Popometer“ den verbesserten Kontakt sowohl für feine Hilfen als auch zum Spüren der Reaktionen des Pferdes nutzen.

Nachteil: fühlt sich anfangs gewöhnungsbedürftig an.

Die Materialien

Oben beschriebene Besatzformen gibt es nun natürlich nicht mehr nur in Leder, wie zu Uromas Zeiten. Genau genommen ist der Besatz aus Echtleder heute eine Seltenheit. Warum? Echtleder lässt sich schlecht waschen, wird mit der Zeit hart und spröde. Besser sind da moderne Kunstfasern oder sogar Kunststoffe.

Mikrofaser oder Waschleder

Fühlt sich an wie Wildleder, ist aber keins. Trägt sich sehr schön, auch wenn es sich vor allem wenn es feucht wird (oben genannte nasse Bank oder eben auch einfach weil ein langer Ritt in der Sommersonne den Schweiß rinnen lässt) gewöhnungsbedürftig an. Vergleichbar, als würde man mit bloßen Schenkeln auf ein feuchtes Fensterleder sitzen.

Was die Haftung am Sattel an geht ist Mikrofaser stark haftend. Das klingt erst mal nach einem Vorteil, muss aber nicht unbedingt einer sein. Bei Wildleder- oder Kunst-Wildleder-Sätteln ist sie Haftung manchmal so stark, dass man im Galopp geradezu stecken bleibt. Der Schwung und auch die geschmeidige Bewegung gehen verloren, man tut sich schwer und ist nach kurzer Galoppstrecke im Rücken verspannt, was sich wiederum aufs Pferd überträgt. Für Sättel aus Glattleder bzw. glattem Material oder zum Reiten auf blankem Pferderücken indes ist Mikrofaser der wahr gewordene Traum.

Silikon-Besatz, auch „Grip“ genannt

Seit einigen Jahren vermehrt im Kommen sind die sogenannten „Grip“-Besätze. Sie bestehen aus (mehr oder weniger bunten oder in der Farbe der Hose gehaltenen) Silikon-Auflagen, vergleichbar mit denen von „Stopper-Socken“ (Ihr kennt sie alle, die dicken, flauschigen Socken, die man zuhause gerne trägt, wenns kuschelig werden soll, man aber doch darauf verzichten möchte das heimische Parkett in eine Eislaufbahn zu verwandeln).

Vorteil dieser Version: die Haftung ist grandios, sowohl auf Wildlederartigen als auch auf glatten Oberflächen. Außerdem sieht man, wenn man sich für „Ton in Ton“ entscheidet, von Weitem nicht sofort, dass es sich um Reithosen handelt. Die Waschbarkeit ist bei dieser Art des Besatzes nur vom Stoff der Hose selbst abhängig, der Grip-Besatz macht so gut wie alles mit. Und wenn doch mal ein, zwei Silikon-Auflagen verloren gehen hat man schon einen Grund, sich nach neuen, schicken Hosen umzuschauen 😉

Ein weiterer Pluspunkt der Silikon-Besatz-Hosen ist, dass der Besatz die gleichen elastischen Eigenschaften hat wie der Rest der Hose. So fällt das „Windel-Gefühl“, das Vollbesatz-Hosen mit vom Hosenstoff unterschiedlichen Materialien gerne mal haben, komplett weg. Fühlt sich an wie eine normale Hose und macht vor allem auch jede Bewegung mit.

Mein Rat an Euch: probiert ein bisschen rum, was Reithosen angeht, man kommt als Reiter so oder so nicht mit nur einer Hose aus. Warum also nicht mal was Neues ausprobieren und sich unter Umständen positiv überraschen lassen?

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