Die Ankaufsuntersuchung (AKU)

Die AKU – wozu dient sie und was wird gemacht?

Die Ankaufsuntersuchung dient nicht nur der Absicherung des Pferdekäufers (und auch des Verkäufers), sondern auch der Sicherheit des zukünftigen Reiters bzw. der Reiter.

Manche Vorschäden setzen den Reiter einem zusätzlichen Risiko aus, welches mit einer Ankaufsuntersuchung zumindest grundlegend minimiert werden kann.

Bei der Überlegung, ob man eine Ankaufsuntersuchung, kurz AKU genannt, will oder nicht sollte man die einmaligen Kosten dieser nicht scheuen. Ein krankes oder nicht für den geplanten Zweck nutzbares Pferd zu erwerben und es nachher entweder wieder mit Verlust verkaufen zu müssen oder es jahrelang durchzufüttern kommt am Ende ein x-faches teurer. Von der emotionalen Belastung dieser Angelegenheit mal ganz zu schweigen.

Was wird nun bei einer AKU eigentlich genau gemacht?

„Die“ AKU an sich gibt es in sofern nicht, als dass es immer eine Sache der Vereinbarung ist, was untersucht werden soll und was nicht.

Idealerweise sind bei der AKU beide Parteien, also Käufer und Verkäufer anwesend. So kann dem Tierarzt genau gesagt werden, was von der AKU erwartet wird.

Vorbereiten sollte der Verkäufer einen kleinen Bericht über die Vergangenheit des Tieres, um dem Tierarzt ein möglichst komplettes Bild im Vorfeld liefern zu können. Hier sollten Dinge erwähnt werden wie:

  • Sind Vorerkrankungen bekannt?
  • Wofür wurde das Pferd in der Vergangenheit eingesetzt?
  • Gab es in dieser Nutzung Ausfallzeiten?
  • Wurden dem Tier in den letzten 6 Monaten Medikamente verabreichet, und wenn ja, welche?
  • Wurde das Tier bisher behandelt, und wenn ja, worauf und wie?
  • Hat das Tier Allergien?

Diese Fragen sollten vom Verkäufer wahrheitsgemäß schriftlich fixiert und unterschrieben zu den Verkaufsunterlagen gelegt werden. Wichtig für den Käufer: nur, wenn der Verkäufer die Angaben eigenhändig unterschrieben hat sind sie bei eventuell auftretenden späteren Problemen rechtlich bindend.

Gerade für Pferde, die im Sport eingesetzt werden sollen ist es empfehlenswert, eine Blutprobe entnehmen zu lassen. Diese kann man entweder gleich untersuchen lassen oder einfrieren und untersuchen, falls die Frage, ob die Blutprobe zum Kaufzeitpunkt auffällig war oder nicht klären lassen.

Die eigentlich AKU beginnt mit der klinischen Untersuchung. Optional kommen, je nachdem, was Käufer und / oder Verkäufer verlangen, weitere Untersuchungen wie Röntgen, Ultraschall oder Endoskopie hinzu.

Ob beim Auftreten eines klinischen Symptoms die AKU weiter geführt oder an der Stelle abgebrochen wird müssen die Parteien vor Ort entscheiden. Ein Käufer, der das Tier nach einer positiven Beugeprobe beispielsweise sowieso nicht mehr kaufen will wird die weitere Untersuchung sicher nicht noch ordern wollen.

Am Anfang der AKU wird das Pferd insgesamt begutachtet. Wie ist der Futterzustand? Wie schaut das Fell aus? Gibt es Schwellungen oder Einschüsse an den Beinen? Verletzungen oder Wunden?

Die Körpertemperatur wird bestimmt.

Ein Blick in die Ohren (mit einem Otoskop) klärt auf, ob das Trommelfell in Ordnung ist und ob die Ohren frei von Parasiten sind.

Die Augen werden zunächst äußerlich mit Hilfe einer hellen Taschenlampe untersucht (Pupillenreflex), danach wird mit einem Augenspiegel (Ophthalmoskop) der Augenhintergrund beurteilt. Hier könnte man eventuell vorhandene, auch schwere, Augenerkrankungen bereits frühzeitig erkennen.

Ein Blick in das Maul des Pferdes gibt Aufschluß über die Schleimhäute, die Zähne und die Zunge. Farbe und Beschaffenheit können dem geschulten Auge hier viele wichtige Informationen verschaffen.

Es folgt die Prüfung der Reflexe wie beispielsweise des Hustenreflexes.

Das Pferd wird in Ruhe auf Lunge (Atemfreuenz? Atemgeräusche?) und Herz (Herzfrequenz? Herzgeräusche?) abgehört.

Dann muss das Tier einige Minuten in Trab und Galopp verbringen. Danach werden die beiden Werte für Lunge und Herz erneut genommen, diesmal eben nach Belastung. Jede von der Norm abweichende Steigerung der Werte kann auf ein Problem hin deuten.

Kommen wir zur Untersuchung des Bewegungsapparats. Haltung und Stellung des Pferdes werden beurteilt, Stellungsfehler festgestellt. Stellungsfehler können spätere Probleme bedingen.
Danach wird das Tier auf hartem und weichem Boden jeweils auf einer Geraden und auf einem Zirkel im Trab vorgeführt und der Trab beurteilt.

Viele Tierärzte lassen (reitbare) Pferde im Rahmen der AKU auch vorreiten. Dies ist äußerst sinnvoll, denn schließlich soll das Pferd ja genau für diesen Zweck gekauft werden. Fragen Sie Ihren Tierarzt nach der Beurteilung unter dem Reiter, wenn er nicht selbst drauf zu sprechen kommt! Manche Probleme zeigen sich erst unter dem Reiter und nicht alle davon sind durch Reiterwechsel kurierbar.

Nun folgen Beugeproben aller 4 Gliedmaßen. Hierzu wird das jeweilige Bein maximal gebeugt und 60 Sekunden in dieser Position festgehalten. Danach trabt das Tier sofort an der Hand auf hartem Untergrund geradeaus. Wichtig ist, dass die Beugeprobe nur einen Teil des Gesamtbildes darstellt. Es gibt Pferde, deren Beugeprobe ohne Befund verläuft, die aber trotzdem lahm gehen. Umgekehrt gibt es natürlich auch Tiere, die einen positiven Beugeproben-Befund haben, aber nie auch nur Anzeichen von Lahmheit bei normaler Bewegung zeigen.

Wie viel Bedeutung einer positiven bzw. negativen Beugeprobe beigemessen wird liegt im Ermessen des Käufers.

Die Reihenfolge der Untersuchungen kann variieren (außer bei Herz- und Atmungsfrequenz, hier wird immer zuerst in Ruhe und danach nach Bewegung gemessen).

Ein Tipp zum Schluss: Fragen Sie Ihren Tierarzt nicht, ob er nach der Untersuchung den Preis des Pferdes für angemessen hält. Er hat nach bestem Wissen seine fachliche Meinung zum Gesundheitszustand abgegeben. Er kann aber weder eine Garantie abgeben noch Ihnen eine Entscheidung abnehmen. Die Einschätzung, wie viel ihm das Pferd wert ist, kann nur der Käufer treffen.

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